chtens- werth ist in dieser Beziehung die Bemerkung von Henderson, dass die wenigen Fälle von akuter Hepatitis, die ihm überhaupt unter den mitüereo Volksklassen der Eingebornen Indiens vorgekommen sind« nicht sowohl Hindus, als vielmehr Muselmänner betrafen, „denen die Religionsvorschriflen eine üppigere Lebensweise gestatten*', und dass unter diesen gerade die Wohlhabenderen, welche eine luxuriöse Tafel führten, die Trunkenbolde, und anderen Ausschweifungen ähnlicher Art Ergebene am zahlreichsten an Hepatitis erkrankten. Conwell, welcher diesem Momente ebenfalls eine sehr grosse Bedeutung für die Pathogenese beilegt, stellt die Nahrung der Europäischen Truppen, welche täglich drei reichliche, zum grossen Theile aus animalischen Nahrungsmitteln bestehende, Mahlzeiten halten, und pro Kopf 6 Unzen Arrac geliefert erhalten, der einfachen^ aus Reis, Hammel- fleisch oder Fisch und reinem Wasser bestehenden Kost der Hindus gegen- über, denen die Lust an Brandy, Gin und ähnlichen Genüssen fast ganz ftemd geblieben ist, und fügt hinzu: ,Judging from the dissecUons, I have „made, I am of opinion tbat hepatic complaints are rare amongst the „natives of good habits . . the natives employed as servanls in „European barracks and some domestics who acquire Euro- „pean vices, are equally or more subject to hepatitis.** Ich gedenke hier noch der Bemerkung von Howison, dass die auffallende Seltenheit von Hepatitis unter den englischen Truppen Im Jahre 1839 io Aden dem Umstände zugeschrieben werden muss, dass die Soldaten so wenig, als möglich, einem anstrengenden Dienste in der Hitze ausgesetxt wurden, und dass sie, bei sehr beschränkten Mitteln, ein sehr nüchternes Leben zu führen gezwungen waren, so wie des Umstandes, dass die englischen Truppen auf den Antillen, besonders was den Genuss spirituöser Getränke anbetrifTl, weit massiger als in Indien leben, und dass gerade in diesem Momente gewiss eine wesentliche Ur- sache für das relativ seltene Vorkommen von Hepatitis unter ihnen ge- sucht werden darf (Tüll och). Ob und in wie weit das hier besprochene ätiologische Moment eine direkte Ursache für Hepatitis suppuratoria abgibt, lässt sich aus den vor- liegenden Mittheilungen nicht ersehen; Morehead erklärt, dass dasselbe Hr liie Genese von Leberc^rrhose in einem weil höhereu Grade als für die erlriger Leberentzundung massgebend sei, ohne dorum in Abrede zu stel- len, dass der übermässi|^e Branntweingenuss in den Tropen ein wichliges Causa imoment auch lür diese Krank l» eil, so wie für Lebeikrarikhciten im Allgemeinen abgilt. Man wird die grosse HiiuQgkeit der interstiliellen Leberenlzündung in den Tropen unter dem Einflüsse der hier gescliilderten Verhäilnisse nm so begreiflicher finden, wenn man in BelrucUl xiehi, dass diese Kranktieit schon innerhalb der gemässigten Breiten in solchen Ge- genden, wo der übermassige ßrannlweingenuss eine hervorragende Schal- lenseile in dem socialen Leben der Bevölkerung bildet, so vorwiegend hüuüg vorkommt, dass sie fast den Charakter eines endemischen Leidens fihrt; slatisüsche Nachrichten hierüber fehlen leider ganz, namcnllich aber verdienen die hiehergehörigen Berichte aus Irland eine besondere Beacb- lung ; Leberkrankheiten sind hier, in der Heimath des Whisky, so häufig, dass sie, wie Wyide ^} aus dem Census nachweiset, unter den sporadi- schen Krankheiten« nächst Schwindsucht und Lungenentzündung, die grössle Sterblichkeil veranlassen; Wylde ist geneigt, dieses Vorherrschen von Leberkrankheiteu mit der im Lande in weiter Verbreitung vorkommenden Skrophulose in Verbindung zu bringen, ich glaube aber, dass abgesehen von den. durch endemische Malariatieber bedingten, zahlreichen Leber- Idden. die Whisky-, oder gin-drunkcrs-liver die vorberrschendste Rolle 9|>ick, und in diesem Sinne haben sich auch schon l'rüherc Berichterstat- ler ^) ausgesprochen, welche auf das Vorherrschen von Leberkrankheilen in Teniplemore, Feihard, Ttpperary u- a, 0. als „Ihe result of bad lood „or exe es s in drinking'* hinweisen» 5* J57, Einen der wichtigslen Punkte in der vorliegenden Unlersu- cUung bildet die Frage nnch dem Verhältnisse von Leberenlzündung, und specieil Hepatitis suppuraloria, zu Ruhr. — Zahlreiche, in Indien, auf den Antillen, Algier u. a. G, gemachte Beobachtungen haben ge- lehrt, dass Ruhr und Leberenlzündung auffallend häufig im Individuum gleichzeitig oder doch schnell nach einander aullreten, so dass, im letzten Falle^ bald Ruhr, bald Hepatitis da§ primäre Leiden ist, und viele Aerite aus den genannten Gegenden haben daher beide Krankheiten, wenn auch nicht wie Haspel, Dutroulau u. a. vom Malariasland punkte ge- netisch zu identillciren, doch in ein gewisses kausales Verhallniss bringen zu müssen geglaubl, indem sie, wenn Ruhr der Leberentziindung folgte, jene als die. direkte oder indirekte, Folge des Reizes ansahen, welchen die, infolge der Hepatitis krankhaft veränderle, Galle auf die Darmschleim« baut ausgeübt halle, dagegen wenn Leberentziindung das sekundäre Lei- den war, dasselbe als aut dem Wege der sogenannten Metastase, oder auch der Krankheitsverbreitung per continuitatem entstanden auf^\,ssten. Was nun den crslen Punkt — den paihogeneüschen Einfluss einer, infolge von Leberleiden, krankhall veränderten Galle auf die Darmschleim- _hani — anbeiriölt so ist uns von dieser Veränderung selbst zu wenig be- ant, als dass wir daraus mit Sicherfjeit weitere Schlüsse zu machen, rechtigt wären; die Thatsache allerdings steht fest, dass Ruhr sehr Uußg im Gefolge einfach hyperamischer, oder entzündlicher Leberaffek- tfoti auRritt« und so glaube ich wohl die Venuuihung aussprechen zu dür- feOt dass jenes Vorherrschen von Krankheiten der Darmschleimhaut, und ly Edfiib. med. «nd »iirg. E. LXIT, 4- tj FJrat rspört «f Uw g ener«! board of he$Xth la Uie Üliy of DabUu« Dabl. lar*^ 318 Hirio.li, hiitopiibh geographitohe PsUiologie. speciell von Ruhr, in den tropischen und subtropischen Gegenden als En- demie, wie nach heissen Sommern in höheren Breiten als Epidemie» in einem gewissen kausalen Verhällnisse zu Leberaffeklion steht, dass ebea in Folge der oben geschilderten, unter dem Einflüsse hoher Temperain auftretenden, der klinischen Beobachtung oft nur durch die Erscbeinungea der sogenannten Polycholie bemerkbaren Lebetaffektion, eine qualitativ and quantitativ veränderte Galle ausgeschieden wird, welche einen Reis anf die Darmschleimhaut ausübt, und so ein prädisponirendes, oder selbst occasionelles Moment lür tiefere Erkrankungen derselben bildet, dass viel- leicht eben hierauf allein der nicht wohl zu leugnende, pathogene- tische Einfluss hoher Temperatur auf die Darmschleimhaut zurückgefühlt werden darf, wie sich derselbe erfahrungsgemäss in der grossen Präva» lenz von Darmschleimhautleiden, vom einfachen Darmcatarrh bis zur ent- wickelten Ruhr, während und unmittelbar nach heisser Witterung aus- spricht, und dass, was hier von der einfachen Leberhyperämie gesagt ist, in demselben oder vielleicht einem noch höheren Grade von Leberenl- zündung gilt Bezüglich des zweiten Punktes — der sogenannten roetastaliscbea Natur der in Fol^e von Ruhr auftretenden suppurativen Hepaütia — btl die Anschauung, mit Erkenntniss der pyämischen Krankheitszuslande und des Eiterinfarktes, allerdings eine wesentliche Läuterung erfahren, allein man ist dabei, wie die unbefangene Kritik der Thatsachen lehrt, in grosse Einseitigkeit verfallen. Budd^) hat eine grössere Reihe von Beobach- tungen über Leberabscesse gesammelt, aus denen hervorgeht, dass diese Abscesse stets im Verlaufe von Ruhr, oder anderweitiger Darmverscbwä- rnngen aulgetreten waren, und den Charakter des pyämischen, resp. durch Eiterinfarkl bedingten, Krankhcitsprocesses trugen, und hat, hierauT gestutzt, die Vermuthung ausgesprochen, dass auch die in den Tropen endemisch vorkommenden Leberabscesse lediglich auf diesem Wege zu Stande kä- men, daher als sekundäres, von Darm versch wärung, resp. Ruhr abhängi- ges Leiden anzusehen wären — eine Ansicht, welche von nicht wenigeo Aerzten, ohne weitere Prüfung der Summe der Thatsachen, adoptirt worden ist, so dass u. a. Armand >) sich zu der Erklärung veran- lasst sieht: „La presque tolalit^ des maladies du foie qu*on observe en „Algärie, surviennent ä la suite des fievres ou de la dysentcrie comnie „localisations secondaires, et hors les cas de Th^patite traumatique, rien „n*est si rare que de rencontrer Th^patite idiopathiqiie*'. — Es ist ein nicht zu bezweifelndes Faktum, dass in denjenigen, tropisch oder subtro- pisch gelegenen Ländern, wo suppurative Hepatitis endemisch herrscht, gemeinhin auch Ruhr in der bösartigsten Form und als Endemie ange- troffen wird, und dass die erstgenannte Krankheit sich eben häufig im Verlaufe oder im Gefolge von Ruhr entwickelt; es sprechen hiefür zahl- reiche Erfahrungen aus Indien, so von Annesley, der in öl Fällen tödt- lich abgrlaulener Ruhr 26 mal Leberabscesse post mortem gefunden hat, von Stewart 3), welcher in dem Berichte über die Ruhr unter den eng- lischen Truppen 1852 — 53 in Pegu bemerkt, dass Leberaffektion eine häu- fige Complikation der Krankheit abgab, und dass in ^/i aller tödtliche